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Brexit wird abgesagt - wegen Logistikproblemen

Der Haupteinwand britischer Parlamentarier gegen einen ungeordneten Brexit ist der drohende Verlust von Arbeitsplätzen. Verfolgt man jedoch die Debatten im Unterhaus genauer, dann sind die Befürchtungen vor einem Chaos weitaus konkreter. Man befürchtet, dass die Logistik versagen könnte und damit ein Produktions- und Handelscrash auslösen könnte.

 

Die Befürchtungen sind berechtigt und die Szenarien sind mittlerweile bekannt:

- die Industrie von UK ist mit den Produktionen auf dem Kontinent vielfältig verflochten. Staus am Nadelöhr Dover hätten üble Folgen, weil viele Teile auf beiden Seiten nicht rechtzeitig ankämen:

- 90% aller verzehrten Gemüse in UK kommen aus der EU, was also käme zukünftig bei den Briten auf den Tisch?

- 60% aller Früchte in UK stammen aus der EU. 

- das Hauptproblem sind jedoch die Gebrauchsartikel des täglichen Bedarfs: Toilettenpapier (90% der Pulpe der EU)

- Waschmittel, Hygieneartikel, Lacke, Farben, Speiseeis, Milch, Butter, Käse - alles mehrheitlich aus der EU. Die Liste ist schier endlos. Und täglich fahren 800 LKW über Fähren und Tunnel vom Kontinent nach UK, dazu noch viele kleine Feederschiffe. Hier liegt die Verkehrslast in der gesamten EU-UK Logistik.

 

All das wäre nicht so tragisch (sagt Boris Johnson), wenn man neue Abkommen mir Drittländern schließen würde und entsprechende neue Importnationen hätte. Doch nur die ganz hartgesottenen Brexiter glauben noch daran, dass der Dreh- und Angelpunkt eines neuen britischen Handelsimperiums entstehen könnte. Was jedoch vor 100 Jahren, sogar noch vor 50 Jahren gültig war, existiert nicht mehr: die logistische Infrastruktur der einstmals viele britischen Seehäfen.

 

Seinerzeit gab es im Norden und Middle-England sowie im Süden viele kleinere Häfen und viele ein-und auslaufende Schiffe. Doch diese Häfen wurden alle in den letzten Jahrzehnten verkleinert. Durch die größeren Schiffstypen im Containerverkehr reichen weder die Wassertiefe noch die Hafenanlagen aus um einen großen See- Verkehr zu bewältigen.

Alle Häfen verloren in der Vergangenheit massiv an Umschlag und dies trifft auch auf London selbst zu. Wenige Häfen blieben, Immingham oder Felixstowe sind noch für große Schiffe geeignet, aber auch diese sind in einem europäischen Netzwerk eingebunden. 

Die MSC bedient zum Beispiel 9 britische Seehäfen, aber alle aus dem europäischen HUB-System (LeHavre - Antwerp-Hamburg Range). Von dort werden die Container im Feederdienst von und nach UK verschifft. Die britische Insel ist also in der Logistik vom Kontinent abhängig und dies wird sich auch so schnell nicht mehr ändern. Der Ausbau der kleineren Häfen übersteigt einfach die finanziellen Möglichkeiten.

 

Somit schafft hier die in 40 Jahren gewachsene Logistik zwischen dem Kontinent und UK die Fakten, die selbst von den Befürwortern des Brexit nicht geleugnet werden können. Am Ende wird also die heute bestehende europäische Logistik gegenüber der Politik gewinnen: der Brexit wird abgesagt.