Logistikpersonal Trend: Führungskräfte sind out - Experten werden gesucht

Kaum noch Führungskräftebedarf in der Logistik?

Der Bedarf an Führungskräften in der Logistik und im Supply Chain Management nimmt offensichtlich ab, während die Nachfrage nach Fachexperten mit IT- oder Ingenieur-Hintergrund deutlich ansteigt.

Obwohl gerne von Logistikverbänden, der Industrie und auch Hochschulen auf die Bedeutung des universellen Logistikmanagers der Zukunft hingewiesen und entsprechend geworben wird,( BVL-Zitat ...Managerinnen und Manager, die das Ganze in den Blick nehmen..) gibt es einen gegenläufigen Trend hin zum Spezialisten und Experten. Die universal einzusetzende Logistikführungskraft verliert in diesem Umfeld an Bedeutung. Hierfür gibt es Gründe.

 

Prozesse übernehmen die Logistik

Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Logistik- und Supply Chain aus dem eigenen Haus zu außerbetrieblichen Dienstleistern und ersparen sich damit den kritischen Umgang mit den eigenen, zum Teil hausgemachten, Problemen.  Schon vor über zehn Jahren hörte ich den bemerkenswerten Satz eines Verkaufsvorstandes eines großen Logistikdienstleisters: „Unsere Strategie ist einfach – wir folgen SAP. Sobald ein Unternehmen die SAP eingeführt hat werden große Teile der Logistik ausgelagert. Dann sind wir zur Stelle"

Die Erklärung liegt auf der Hand – die neuen ERP-Strukturen erfordern ein Umdenken der gesamten innerbetrieblichen Logistik, von der umfangreichen Stammdatenpflege bis zu den Lagerverwaltungssystemen. Von automatischen Verfügbarkeitsprüfungen bis zum Ausdruck eines Lieferscheines usw. Das bisherige Personal müsste jetzt aufwändig geschult werden, was in der Kostenanalyse vor der Einführung nicht ausreichend bedacht wurde und „irgendwie läuft es nicht mehr rund“. Die Lösung aller Probleme heißt: Outsourcing zum Dienstleister - soll der sich mit den Problemen herumschlagen und das Unternehmen spart Kosten.

 

Kontraktlogistiker übernehmen SCM Kompetenzen

Im besten Falle beginnt ein mehr oder weniger aufwändiges Verfahren zur Ermittlung des geeigneten Dienstleisters und am Ende erhält einer der marktbekannten Logistikspezialisten den Zuschlag.  Der nun folgende Prozess wird betriebliche Umstrukturierung genannt und dabei verliert das Unternehmen reichlich Personal und Know-how. Ab jetzt bestimmt der Dienstleister die Logistikprozesse.

 

Die aber sind bereits normiert, denn der Dienstleister ist deshalb so erfolgreich, weil er dies nicht zum ersten Male macht und entsprechende Software und Prozesse implementiert hat. Außerdem verfügt er über die entsprechende personelle Ausstattung, die fachspezifisch die Prozessanforderungen umsetzt. Führungskompetenz wird nicht benötigt, allerdings Projektmanagementerfahrung.

Die Konzentration auf  immer weniger Anbieter komplexer logistischer Dienstleistungen führt zwangsläufig dazu, dass weniger Führungskräfte benötigt werden, jedoch weitaus mehr Experten mit entsprechendem spezifischen Fachwissen. Der Fachexperte ist eindeutig auf dem Vormarsch.

 

Junge Menschen verzichten auf Führungspositionen

Und es gibt noch einen anderen Grund warum immer weniger Führungskräfte benötigt werden: und das liegt an den potentiellen Führungskräften selber. Führung ist in erster Linie Personalführung und Motivation der Mitarbeiter – eine Verantwortung, der sich immer weniger junge Menschen stellen wollen. Statt sich mit Personal herum zu plagen, Mitarbeitergespräche zu führen, Zielerreichungen und Planstellen zu diskutieren sind Fachfragen viel spannender. Praktische Umsetzung, das „Machen“ und die technische Herausforderung sind allemal interessanter als das Zwischenmenschliche einer Personalführung.

Gerade im IT-Bereich, der einen großen Teil der Logistik ausmacht, finden sich viele „Start-up-Unternehmen“, die eine größere Anziehungskraft entwickeln und zum Teil prägend für das Berufsbild von morgen sind. Folgerichtig entstehen in der Logistik neue Strukturen – die Konzentration auf weniger Führungskräfte in Unternehmen – weil auch weniger gute Kräfte da sind - dafür mehr Autonomie und Fachexperten im mittleren Managementbereich. Der klassische Spediteur und Logistiker, der alles kann hat ausgedient.

Den Experten gehört die Zukunft in der Logistik.

 

Allerdings gilt auch:

Ohne Führungspersönlichkeiten, die innovativ Neues wagen, wird die Logistik in Prozessen erstarren. Aber es gibt eine neue Entwicklung: die starken und kreativen Logistiker mit dem Überblick finden neue Betätigungsfelder außerhalb der mächtigen Logistikunternehmen. Zum Beispiel als Berater, Consultants, Interim- und Projektmanager. Unabhängig und erfolgreich. Insgesamt ist das vielleicht gar keine schlechte Entwicklung. 

 

Martin Baecker

Logistic-Experts, Baecker & Partner

Personalberatung für SCM & Logistik

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